Winter: Vorsorge und Fernüberwachung

Immer mal wieder werde ich gefragt, welche Vorsorge-Maßnahmen ich für den Winter treffe (auch weil Rüm Hart seit Jahren – genauer: seit Winter 2014/15 – im Wasser bleibt) und was das für ein Daten-Transmitter sei, den ich ab und an erwähne. Grundsätzlich kann ich, Neptun sei Dank, berichten, dass durch die Wasserüberwinterung im geschützten Hafen in Woudsend (aber auch in Papenburg) bislang keinerlei Schäden zu beobachten waren. Auch dann nicht, wenn das Schiff mal fest eingefroren war – was selten vorkam. Im Frühjahr, rechtzeitig vor Beginn der Saison, wird gekrant und alle notwendigen Kontrollen und Arbeiten erledigt. Dann kann die Segelsaison kommen.

Aber eigentlich will ich hier mehr Technisches erzählen. Schlecht für Schiffe ist dauerhafte Feuchtigkeit innen, und dafür ist die Winterzeit in erhöhtem Maße Risikozeit. Deswegen stelle ich einen elektrischen Luftentfeuchter in den Salon vor den Innensteuerstand und fixiere ihn in eine Art Auffangwanne mit Gurten und Strippen, damit er auch bei Sturm-Schaukelei sicher an seinem Platz bleibt und seinen Job machen kann. Der Entfeuchter entwässert in einen Schlauch, der auf seiner Rückseite eingestöpselt wird (auf dem Foto der blaue) und durch den Ölzeugschrank an die Cockpitentwässerung angeschlossen ist, also nach außen entwässert. Da diese Art der Luftentfeuchtung nur bis ca. 5° C funktioniert, schaltet ein temperaturgesteuerter Stecker (auf dem Foto links oben, in die Kabeltrommel eingesteckt) den Entfeuchter ab, wenn es kälter als 5,5° wird. Der Lufttrockner selbst ist auf eine Zielfeuchte von 55 rel. % eingestellt.

Damit die Abschalttemperatur von 5,5° möglichst spät und selten erreicht wird, läuft mein „Brühwürfel“ (Familienjargon für unseren tollen elektrischen Heizer von Ecomat) in seiner kleinsten Leistungsstufe permanent mit. Nun ja, „permanent“ ist nicht ganz korrekt, denn auch der wird durch so eine Schaltsteckdose gesteuert. Unter -5° schaltet er ab, dann bringt er in der kleinsten Stufe eh nichts mehr, und genauso über 13°, dann kann die Restarbeit die Wintersonne übernehmen.

Der Ecomat steht im Salon an der tiefsten Stelle und erreicht so auch Bad und Bugkabine, deren Türen natürlich offen stehen und fixiert sind.

Übrigens: Landstrom liegt zwar, aber die Elektrik des Bootes ist total abgeschaltet, auch das Ladegerät. Ausschließlich auf den 230 V Steckdosen ist Saft, alles andere ist tot. Der Stromverbrauch hält sich sehr in Grenzen. Eigentlich habe ich mit dem Hafenmeister die Abmachung, dass ich ihm den Verbrauch im Frühjahr zahle. Aber oft genug hat er in den Jahren abgewunken. „Lohnt sich nicht“ – so seine Reaktion. Zu Beginn hat er mir mal 30 € abgeknöpft, bislang das höchste der Gefühle.

Kommen wir zur Fernüberwachung. An dieser Stelle leistet mir das WS1 Pro der Firma UBIBOT sehr gute Dienste. Das Ding steht auf dem Salontisch, hat 3 interne Sensoren für Temperatur, Luftfeuchte und Helligkeit und Anschlussmöglichkeit für weitere 3 externe Temperatursensoren, von denen einer beides kann: Feuchte und Temperatur. Also sind es 4 externe Daten. Diese externen Sensoren sind nichts anderes als 5 m lange Strippen, die in das WS1 eingesteckt werden und am anderen Ende Metallstifte (Sensoren) tragen. Einen habe ich an einem Seeventil im Bad befestigt, den andere in die Batteriekiste geführt und schließlich den dritten, den mit der Doppelfunktion Feuchte und Temperatur, nach außen ins Cockpit verlegt.

Die Stromversorgung läuft über das 230 V Netz im Boot (also Landstrom) mit einem der üblichen 5 V Adapter.

Das WS1 ist mit W-Lan und in meinem Fall zusätzlich mit einer SIM Card ausgestattet (gibt’s auch nur mit W-Lan). Für die Datenübertragung nutzt es also das Hafen W-Lan oder, falls selbiges ausfällt, über die SIM Card das Handynetz. Sehr praktisch. Auf dem Smartphone und auf dem Laptop habe ich natürlich die dazugehörige App, mit der nicht nur die Daten ausgelesen werden können, sondern das ganze Ding auch „programmiert“ wird. Die Darstellung auf dem Laptop sieht dann so aus:

Wichtig sind die „Sensor Readings“ rechts. von links nach rechts: Temperatur Salon (14°), Luftfeuchte Salon (62 rel. %), Temp. Seeventil (6,9°), Temp. Batteriekiste (7,8°), Temp. außen (10,2°), Luftfeuchte außen (90,2 rel. %), Helligkeit Salon (192,4 Lux), Spannung der Gerätestromversorgung (5V) und schließlich Qualität des W-Lan Signals (-27). Die Darstellung auf dem Handy ist wesentlich kompakter, aber inhaltlich das Gleiche. Das ist die Momentaufnahme, weiterhin gibt es die Möglichkeit der graphischen Darstellung über einen gewünschten Zeitraum. Übrigens kann man die App-Sprache mittlerweile auch auf Deutsch umschalten.

Dieses Equipment hat sich nun in den letzten 5 Jahren sehr bewährt, hat aber einen Nachteil: es sieht furchtbar rummelig aus im Schiff. Überall Strippen, Netz- und Verlängerungskabel, Mehrfachsteckdosen und Gurte bzw. Leinen, die den Luftentfeuchter festhalten. Man mag es auch als „überwachungsstaatlichen Kontrollwahn“ bezeichnen, meinetwegen, aber mir geht es eindeutig besser, wenn ich zuhause in meinem Winterdasein sehe, dass sich die Feuchte im Boot in Grenzen hält (vor allem im Vergleich zur regelmäßig deutlich erhöhten Luftfeuchtigkeit draußen).

Im Übrigen habe ich diese Installation dem Versicherer vorgestellt und grünes Licht bekommen. Und der Hafenmeister hat verprochen, immer mal wieder ein Auge auf meine Landstromverbindung zu werfen. Herz was willst du mehr im Winter?!