Coroni Corona

von Manfred Jansen am 19.03.2020 / in Die Kapitel
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Eigentlich … wie oft habe ich eigentlich schon einen Beitrag mit „eigentlich“ begonnen? … eigentlich also wollte ich um diese Jahreszeit von der segelfertigen Rüm Hart berichten. Von einem frisch gewienerten und poliertem Schiff, das mit den Kielen im Schlamm scharrt, und ungeduldig auf seinen Herrn und Skipper und auf seine Crew wartet. Tja … und dann kam Corona …

Danke an Elisabeth für das Foto

Die tatsächliche Situation: Rüm Hart ist fast fertig, liegt aber noch im Winterhafen in Woudsend. Und ich habe Steven, den Hafenchef, gefragt, ob mein Boot vielleicht auch für die komplette, vermutlich nicht stattfindende „Segelsaison“ dort bleiben kann („kein Problem, das kriegen wir hin“).

Außerdem wird im Sommerhafen in Warns eh noch an den Stegen gewerkelt – siehe Titelfoto (zwischen den beiden höheren Heckpollern mit den blauen Verhüterli liegt im Sommer eigentlich(!) Rüm Hart). Danke an Manni und Moni für das Foto.

Zu Beginn der Krise habe ich mir ja naive Hoffnung gemacht, dass das alles zu Ostern oder spätestens im Mai vorbei ist. Mittlerweile bin ich – der eigentlich(!) geborene Optimist – da erheblich pessimistischer. Wenn „flattening the curve“, also das Abflachen der Infektionskurve, die Strategie ist, dann kann es ja nur bedeuten, dass sie weit ins Jahr gedehnt wird, damit ihr Zenit unter der Kapazitätsobergrenze unseres gesamten Gesundheitssystems bleibt. Das alles ist für mich sehr nachvollziehbar und erscheint mir richtig. Also schreibe ich innerlich die Segelsaison 2020 ab. Kommt es anders, freu ich mich …

Ansonsten sitze ich zuhause, habe mich in freiwillige „Einzelhaft“ begeben. Mein Alter von ü65 + „Lunge“ + „Herz“ sortieren mich in die Hochrisikogruppe ein. Da bleibt man besser in Deckung und tut sein Möglichstes, um sehr spät angesteckt zu werden. In der Hoffnung nämlich, dass bis dahin eine wirksame Therapie, vielleicht sogar eine Impfung entwickelt wurde.

Ich denke, es ist an der Zeit, mal sowas wie „Gehorsamkeit“ zu zeigen. Und Disziplin. Nämlich gegenüber den nationalen und lokalen Behörden und politisch Verantwortlichen. Und die Maßnahmen, die uns von dort aufgedeckelt werden, einfach befolgen. Punkt! Auch wenn sie für den Einzelnen nicht immer haarscharf stimmig erscheinen mögen. Die Erlasse und Beschlüsse können in diesen Zeiten nicht chirurgisch-fein auf jeden Einzelfall zugeschnitten sein, dafür fehlt schlicht die Zeit. Es werden immer nur grobe Pötte sein, die uns übergestülpt werden. Ja und?

Also bleiben Sigrid und ich zu Hause und in Deckung. Unsere Nachbarn – und nicht nur die – sind sehr sehr lieb und bieten uns jegliche Hilfe an. An dieser Stelle darf man in der Krise ruhig was Positives erkennen: der Zusammenhalt wächst. Ob das die Nachbarschaftshilfe ist, oder Vermieter, die die Miete für notleidende Kleinunternehmen reduzieren, oder meine Yogaschule, deren Mitglieder die Monatsbeiträge weiterzahlen, obwohl die Kurse natürlich ausfallen …

Aber in jeder Gesellschaft gibt es offenbar einen Bodensatz an Vollidioten, die „Corona-Partys“ feiern, auf facebook Unverantwortliches posten oder es doch glatt fertigbringen, die Pullen mit Desinfektionsmitteln aus den Spendern in den Fluren der Krankenhäuser zu klauen. Man fasst sich ans Hirn, ist tief erschüttert und geht im Keller seinem Winterhobby nach:

Lasst euch nicht unterkriegen, bleibt zuhause und vor allem gesund.

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