von Manfred Jansen / am 17.09.2022 / in
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… du kannst dich doch nicht einfach so vom Acker machen! Wir sehen ja: ohne dich ist Starkwind und schwere See. Ohne dich hat’s schlimme Mägen und grüne Gesichter. Ja, sogar Schäden am Schiff.

Klaus ist tot, meine Männercrew wurde um weitaus mehr als ein Sechstel reduziert. Eine Woche vor unserem diesjährigen Törn mussten wir ihn zu Grabe tragen. Er, fast auf den Tag genau 3 Jahre jünger als ich, fit, sportlich, gut trainiert, war mir einer der engsten Menschen außerhalb meiner eigenen Famile. Ein Blitzschlag namens Aneurysma, aus heiterstem Himmel. Sowas trifft ins Schwarze.

In Folge stand unser „Reitersegler-Törn“ – ein Name, den Klaus überhaupt nicht mochte – ganz offenbar unter keinem guten Stern. Bei der Bootsübernahme der Kumari (auf dem Aufmacherfoto der Kat ganz links vor Sønderburg) in Eckernförde Wind aus Ost von gut 20 bis 23 Knoten. Mit der entsprechenden Welle, die sich auf langer Strecke über die offene See bis hier her aufbaut. Nach den ersten 10 Seemeilen sind drei von fünf Crewmitglieder seekrank! Die Woche bleibt starkwindig, in der Spitze bis über 30 Knoten Wind. Immer aus Ost-Südost. Wir verkriechen uns in die geschützten Gewässern des Als Sunds und des Kleinen Belts. Dennoch ist es ein zehrendes Segeln. Dieses Mal bleibt es uns sogar versagt, den Kat schadensfrei zurück zu geben. Neptun sei Dank gibt es Versicherungen.

Nur noch zu fünft

Die Strecke, nur für die Chronik: Eckernförde – Damp – Sønderburg – Insel Årø – Middelfart – Kalvø – Sønderburg (Hafentag wg. heftigen Wetters) – Eckernförde.

Kumari vor der Klappbrücke von Sønderburg

Die Woche wird dennoch und trotz aller Widrigkeiten eine schöne. Stellvertretend für die Sonnenseiten dieser Tage sei folgende Geschichte erzählt: Von Middelfart auf Südkurs haben wir die Insel Kalvø in der Genner Bucht zum Ziel erklärt. Es kachelt mit fast 30 Knoten aus Ost, und wir freuen uns auf das Anlegebier. Aber, der kleine Hafen ist voll, der erhoffte Platz am Kran belegt. Schade, wir drehen ab. Da tönt’s aus der Funke: „Katamaran vor Kalvø, Katamaran vor Kalvø, hier die Hexe. Kommt zurück, wir machen euch Platz, dauert nur 5 Minuten“. Das Skipperpärchen schmeißt tatsächlich die Leinen los und verholt das Boot, um uns Platz zu machen. Es besteht noch Hoffnung für die Menschheit. Mehrere Runden Bier werden mit der Hexen-Crew gemeinsam gelöscht, aber dennoch gern noch einmal hier: DANKESCHÖN!

Für die „Akustik“ zuständig: Ludger (links) und Bernd

Wie schon oft erzählt, besteht unsere Crew aus talentierten Menschen. Die einen kochen begnadet, die anderen haben’s eher mit der Gitarre und ihren Stimmen. Mein Talent ist der Genuss von beidem, bei mir vereinen sich Kulinarik und Akustik – leider beide nur passiv. Was aber auch schön ist.

Diese gemeinsame Woche hat jedenfalls einen besonderen Song geboren, und der Verlust des Freundes wurde in Worte und Töne gegossen. Bernd, im Zweitleben Frontman, Texter, Komponist und Sänger der Rockband YAYA, hat unterwegs einen Song geschaffen, dessen Rohform – die Feinarbeit steht noch aus – ich hier bringen und euch teilhaben lassen darf. Die Melodie ist angelehnt an ein aus Neuseeland stammendes Walfängerlied, das zwischen 1860 und 1870 entstand und bei uns als „Soon May The Wellerman Come“ bekannt wurde. Text, Gesang, Gitarre: Bernd

 

Währenddessen schaukelt Rüm Hart im friesischen Heimathafen still und ruhig vor sich hin. Die Hafen-Whatsappgruppe schickt mir beruhigende Nachrichten. Alle Leinen fest, genügend Abstand zum Steg, das Cockpitzelt fest verzurrt. Ich freue mich auf die Herbstwochen an Bord. Rüm Hart wird mir wieder Kokon sein und Schutz geben. Wie immer.

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